5 Gründe, warum Blockchain nicht tot ist!

09.12.2020

Digitaler Impfnachweis

Von Tobias Gantner

Dem „Bitcoin“ geht es sehr gut. Weit mehr als 15.000 Euro kostet 1 Coin der Kryptowährung aktuell – zum Start 2011 war sie nur wenige Cent wert. Glückwunsch an al die, die rechtzeitig eingekauft haben. Darüber hinaus aber ist es ruhig geworden um die Blockchain-Technologie. Nach dem Hype schlechthin um 2017 und 2018 (als der Bitcoin schon einmal zum Höhenflug ansetzte), ist die Anwendung inzwischen im so genannten Hype Cycle weit unten in den Katakomben angekommen.


Für die Medizin abschreiben – oder jetzt erst recht?

Lohnt es sich noch, weiter über die Technologie nachzudenken? Fakt ist, der Bitcoin ist seit fast zehn Jahren auf dem Markt, seine Wertigkeit steigt und steigt (trotz zahlreicher Turbulenzen bei der Marktwertentwicklung). Aber von Fälschungen, von erfolgreichen Attacken gegen die Währung, von Diebstählen ist nichts bekannt. Und damit sind wir beim Kernversprechen der Blockchain: sie scheint fälschungs- und manipulationssicher. Jede Transaktion ist in der Blockchain abgelegt, verteilt über dezentrale Intermediäre.

Deshalb bin ich überzeugt davon, dass der Technologie im Medizinsektor noch goldene Zeiten bevorstehen. Fälschungs- und Datensicherheit werden mit der exponentiell zunehmenden Datenmedizin enorm an Wertigkeit gewinnen. Immer mehr Menschen lassen sich ihren genetischen Code sequenzieren, wir stehen (endlich) kurz vor dem Start der elektronischen Patientenakte. All das hat mit Millionen von Daten zu tun, die geschützt und fälschungssicher verkehren müssen.

Der Durchbruch einer Technologie passiert in dem Moment, in dem nicht mehr die Technologie selbst in den Vordergrund gestellt wird, sondern in dem eine Technologie in der Lage ist, ein reales Problem einer größeren Gruppe zu lösen. Und zwar so, dass die Gruppe das Prinzip der Lösung versteht, ihr vertraut und sie als nützlich erachtet.

Immer dort also, wo Daten nicht korrumpierbar sein sollen, erhöhte Anforderungen an den Datenschutz bestehen und Entscheidungen anhand eindeutiger Parameter und Prozesse getroffen werden müssen, hat die Technologie Potenzial.


1 – Covid19-Impfung – der Vaccitrain

Es war die Meldung, die Politik, Medizin und die Börsen jubeln ließ. Die ersten Impfstoffe sind da und stehen kurz vor der Zulassung. Gleichzeitig ist – zumindest in Deutschland – die Zahl derer, die erst einmal abwarten wollen, bevor sie sich selbst impfen lassen, überraschend hoch. Genau deshalb könnte ein Nachweis, dass man geimpft wurde, wichtig werden.

Aber auch bei denen, die sich haben impfen lassen, könnte Nachvollziehbarkeit ein Kriterium werden. Natürlich kann der Nachweis auch über den gelben WHO Impfpass erfolgen. Aber es kann Gründe geben, dass dieser Nachweis nicht anerkannt wird. Weil zum Beispiel der verabreichte Wirkstoff nicht in Einklang steht mit den Einreisebedingungen eines Landes.

Hier kann eine Blockchain (in Verbindung mit KI) Abhilfe schaffen. Sie kann eindeutig nachweisen, dass eine Impfung stattgefunden hat, da sie zeigen kann, mit welchem Impfstoff aus welcher Charge durch welche medizinische Einrichtung geimpft wurde. Zudem könne man auch Antikörpertests in dieser Anwendung mit abspeichern.

Die Anwendung wird dadurch nachverfolgbar. Das ist wichtig, weil wir davon ausgehen, dass volle globale Reisefreiheit nur damit einhergehen kann, dass Menschen nachweisen können, dass sie geimpft wurden. Die BC kann hier eine gute Ergänzung zum analogen Chargensticker im Impfpass darstellen. 


2 – Patientenakte

Endlich, die ePa kommt! Eine fall- und einrichtungsübergreifende Dokumentation wird ab 2021 möglich sein. Sie soll den Behandlungsalltag vereinfachen und eine bessere medizinische Versorgung für den Patienten ermöglichen. Erlebbar wird die Umstellung aber erst einmal nur für die Pioniere unter den Patienten, die für sich aktiv die ePa einfordern. Denn die Patientenakte bzw. der Einstieg für Versicherte ist freiwillig. Entscheidet sich der Versicherte dafür, eine ePA führen zu wollen, kümmert sich seine Krankenkasse um Formalitäten und versorgt ihn mit Informationen.

Eine Information sollte als Standard schon mal vorgehalten werden: Die Antwort auf die Frage – sind meine Daten wirklich sicher? Es gibt hinsichtlich des Datenschutzes und der Datenhoheit bei vielen Patienten (Datenschützern und medizinischen Professionals) große Bedenken. Besser als an dieser Schnittstelle könnte der Einsatz der Blockchain-Technologie für den sicheren Umgang mit Patientendaten nicht passen. Diverse Testprojekte arbeiten an einer Verknüpfung der ePa mit Blockchain.

Mit der Technologie können Patienten selbst kontrollieren, wem sie Einblick in ihre Gesundheitsakte gewähren. Durch Smart Contracts können Entscheidungen vollautomatisch durchgeführt werden, was Prozesse enorm beschleunigt.


3 – Organspende

Wie kann man sicher gehen, dass eine Patienteneinwilligung vor einer Operation oder gar die generelle Einwilligung für eine Organspende nachvollziehbar sicher sind? Mittels Blockchain.  Andreas Schütz und Tobias Fertig von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt haben dazu eine App entwickelt, die sogar auf dem Treppchen (Platz 2) eines Ideenwettbewerbs des Bundesgesundheitsministeriums landete. Nach einer Authentifizierung können Patienten in der App all ihre Einwilligungen verwalten.

Aber auch wenn Patienten (und Nicht-Patienten) ihre Daten anonym zu Forschungszwecken spenden möchten, wie bei der Corona-Datenspende via App an das Robert-Koch-Institut – auch dann könnte Blockchain sinnvoll eingesetzt werden. Die Daten können der Wissenschaft helfen, die Ausbreitung von Covid-19 besser zu erfassen und zu verstehen. Aber eine solch neue Form der medizinischen Forschung erfordert viele Daten von vielen Spendern. Und die – die Spender – sind nur bereit zu spenden, wenn sie Gewissheit über die Anonymität ihrer digitalen Abgleiche haben.

In einem System, in denen sich die Teilnehmer nicht vertrauen, in der es aber auch keine zwischengeschaltete, dritte Instanz gibt, würden Datenspende-Systeme nicht funktionieren.


4 – Lieferketten Management

Wie viel Zeit verbringen Pfleger und Schwestern in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen damit, Tablettenrationen zu packen? Und wie viel geht dabei schief? Und das ist nur eine Wegstrecke der langen Lieferkette einer Pille von der Produktion bis zur Konsumtion. Angesichts der möglichen individualisierten Medizin der Zukunft, mit Pillen für genau eine Person, hergestellt im 3D-Drucker, könnte Sicherheit und Nachvollziehbarkeit eine neue Bedeutung bekommen.

Blockchain würden jeden Schritt der Tablette nachvollziehbar machen, ohne dass ein (vertrauenswürdiger) Mittelsmann eingeschaltet werden müsste. Das gleiche gilt für die Werte, die bei Laboruntersuchungen Daten produzieren und vor dem Zugriff der falschen Personen geschützt werden müssen.   


5 – Gesundheit mittels Genom-Analytik

Es ist nicht lange her, da waren die Kosten für einen Gentest sechsstellig. Inzwischen ist man mit wenigen Hundert Euro dabei, sein Erbgut auslesen zu lassen. Schon bald wird der Gentest nicht viel mehr kosten als ein preiswertes Mittagessen. Die Zahl derer, die Genabstriche machen lässt, steigt rasant an. Und auch die Industrie rund um gesundheitliche Lösungen rund um das Genom entwickelt sich im Rekordtempo.  

Gen-Analysen produzieren aber Unmengen an Daten. Will der Patient diese aktiv einsetzen, um seinen Gesundheitsstatus zu verbessern, muss er sie teilen, für eine bestimmte medizinische Zielgruppe offenlegen. Ganz schön heikel, bei einem Datenschatz, der jegliche Erbinformationen enthält, die dem Menschen lieb und teuer sein müssen. Deshalb muss Blockchain in den Gedanken all der Pioniere eine Rolle spielen!

Was kann digitale Zukunftsmedizin? Das erfährst Du hier bei Dr. Future – dem Kanal für digitale Transformation im Gesundheitswesen.

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